Kunst

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Über mich

Der Raum ist das Medium und das Hauptthema meiner künstlerischen Tätigkeit. Der architektonische, innere, sichere Raum.

Die Fähigkeiten, den Raum zu kreieren, liegen in dem Unterbewusstsein, im abgelegenen ersten Gedächtnis des Menschen. Ein zu groβer Raum beunruhigt uns, überfordert unsere sinnlich wahrnehmbaren und rhythmischen Möglichkeiten. Wir verlieren uns und geraten in Phobien. Wir haben das Bedürfnis, den nahesten Raum zu kreieren. Gaston Bachelard in der „Poetik des Raumes“ deutet auf die Dialektik des Innen- und Außenraumes hin. Den Innenraum definiert er als Konzentration, den Außenraum dagegen als Unendlichkeit. Der Innenraum wird zu unserer Zuflucht, dem Ort unserer Existenz mit eigener Struktur, Struktur des Ortes.

Unser Aufenthalt in einem Gebäude ist eng mit dem Existentialismus, dem Dasein im Senk- und Waagerechten verknüpft. Damit meine ich die Haltung des Menschen sowie die Richtungen in einem Gebäude. Auf die wichtige Rolle der Senkrechten deutet Martin eidegger hin, der meint, dass das Sein auf der Erde zugleich das Sein unter dem Himmel bedeutet.

In dem so gemeinten Raum wird die Architektur zum „Ereignis“. Sie entsteht an der Begegnungsstelle der inneren und äußeren Kräfte im Duell der Natur mit dem Irrationalen. Die Mauer (die Wand) bestimmt den Raum genauso wie ein Körper. Sie ist sogar mehr mit dem Raum verbunden als die Geometrie oder Mathematik. Sie ist physisch in ihm enthalten. Die Erfindungskraft oder eher der künstlerische Dialog (die künstlerische Auseinandersetzung) mit diesem „Ereignis“ ist Ziel meiner Tätigkeit. Das Ergebnis dieses Kontaktes bildet meine Frage über den Sinn der Existenz überhaupt im Raum. Wichtig ist für mich auch die Relation der Natur, der atmosphärischen Erscheinungen – deren Flüchtigkeit und Empfindlichkeit mit unserer künstlichen und der Bedeutung entzogenen Umwelt. Das Umlegen (Verändern), Stoppen der Erscheinungen ohne bleibende Wirkung, deren zyklischer Charakter eine einzige unumstößliche Tatsache auf der Welt ist, ist eine Probe des Nachdenkens über die Bedeutung und das Wesen des „Seins“ im Inneren der Gebäude. Durch Geometrie drücke ich aus und stelle bildlich den Raum und die Empfindungen dar. Sie bildet einen mentalen Wert und ist Träger unendlicher Möglichkeiten des Selbstkreierens und des Kreierens des Raumes.

Durch die Anwendung der Geometrie befreie ich meine Arbeiten von einer zu großen Sachlichkeit und Handlung. Dank dessen erhalte ich die Synthese der Übertragung. Um mich künstlerisch zu äuβern, brauche ich das, was ich beobachte und empfinde – was letztlich das Thema meiner Arbeiten ist – nicht einfach widerspiegeln sondern verarbeite es künstlerisch.

Dank der Mittelreduzierung und der Vereinfachung der Übertragung kann man die Gedanken des Empfängers auf den Sinn der Aussage lenken. Die Geometrie stimuliert schlieβlich das Vorstellungsvermögen, ermöglicht die Schöpfung, den Entwurf des Raumes, der in der physischen Welt nicht existiert.

Die Geometrie als Ausdruckskunst ist eine spezielle Art des Schweigens, in dem zugleich Fragen und Antworten enthalten sind. Unser ganzes Wissen stammt von den Sinnen und den Begierden. Dank ihnen ist man zu allen Tätigkeiten des Geistes, zu unschäuβerungen, zu Entwicklung der Leidenschaften, denen man folgt oder die man ablehnt, fähig. Man kann zu der Schlussfolgerung kommen, dass das Erste was wir besitzen, die Eindrücke sind.

Unser Wissen, die Leidenschaft sind die Folgen der Freude und der Unannehmlichkeiten die die Sinnesempfindungen begleiten. Die Fähigkeit, die Empfindungen zu erkennen, führt zum Frieden, der laut Condillac die „Macht der Schöpfung“ ist. Inwiefern ist jedoch unsere Bemerkungskraft wahr? James Turrell überlegt woher das Licht stammt. In unseren Träumen, wenn wir geschlossene Augen haben, ist das Licht oft stärker und intensiver als bei offenen Augen.

„Wir sehen mit Vorurteilen“ – sagt Turrell, unsere Kultur sieht mit Vorurteilen. Wir nennen das Rot eine warme Farbe, das Rot ist aber kühl. Das Blau dagegen ist heiβ. Das Härten von Stahl verleiht ihm eine blau-weiβe Farbe. Erst im Laufe des Abkühlens wird er rot. Eine Art von Falschheit ist die Haupteigenschaft unserer Wahrnehmung.

„Kann man das Schlieβen der Augenlider hören? Wie kann man eigentlich die Geometrie des Echos in einem alten Haus hören? Das kann man, wenn wir durch unser Vorstellungsvermögen hören“ fragt und antwortet Gaston Bachelard.